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Kleine Anfrage: Stand, Chancen und Risiken von Homeoffice für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Kleine Anfrage - Drucksache Nr. 19/8494

Im Gegensatz zu mobiler Arbeit findet Homeoffice an einem fest eingerichteten Bildschirmarbeitsplatzes außerhalb des Betriebes statt. Homeoffice bietet Chancen für Beschäftigte, aber auch Gefahren. Der Wunsch von Beschäftigten nach Homeoffice-Möglichkeiten scheitert oft am Arbeitgeber. Die SPD plant, ein Recht auf mobiles Arbeiten und Home Office gesetzlich zu verankern.

Hierzu liegt eine Antwort der Bundesregierung als Drucksache Nr. 19/9032 vor. Antwort als PDF herunterladen

 

 

Überstunden und Entgrenzung: Homeoffice darf für Beschäftigte nicht zur Belastung werden

Auswertung der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Homeoffice: Stand, Chancen und Risiken für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“ (Drs. 19/08494) von Jessica Tatti u.a. und der Fraktion DIE LINKE im Bundestag

Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse:

Zwölf Prozent der Beschäftigten arbeiten zumindest gelegentlich im Homeoffice, 3 Prozentpunkte mehr als 2015. Im Jahr 2016 boten 37,4 Prozent der Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten in der Bundesrepublik Homeoffice an.

Homeoffice ist derzeit ein privilegiertes Arbeitsmodell für hochqualifizierte Spitzenverdiener, insbesondere für Führungskräfte und Beschäftigte der Informations- und Kommunikationsbranche. Daraus lässt sich auch erklären, wieso relativ gesehen mehr Männer Homeoffice-Vereinbarungen haben als Frauen. Beschäftigte mit niedrigen Einkommen oder Qualifikation haben generell nur selten bis gar keine Homeoffice-Optionen. Interessant ist, dass die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten ohne Homeoffice-Vereinbarungen dieses Arbeitsmodell als Möglichkeit ablehnen.

Beschäftigte schätzen am Homeoffice vor allem die Möglichkeit, eine bessere Work-Life-Balance zu schaffen und Fahrtzeiten zur Arbeit zu umgehen. Der Einfluss auf Arbeitsbeginn und –ende ist für Beschäftigte im Homeoffice größer. Beschäftigte mit Kindern haben häufiger Homeoffice-Vereinbarungen als Beschäftigte ohne Kinder. Generell steigt der prozentuale Anteil an Homeoffice-Vereinbarungen mit der Anzahl der Personen, die in einem Haushalt einer/eines Beschäftigten leben.

Die Antwort der Bundesregierung zeigt, dass mit dem Arbeiten im Homeoffice auch Belastungen einhergehen. So leisten Beschäftigte im Homeoffice mehr und längere Überstunden und berichten häufiger von einer Verkürzung der Ruhezeiten als Beschäftigte ohne Homeoffice. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten im Homeoffice geben an, dass durch Homeoffice die Grenzen von Arbeit und Privatleben verschwimmen.

Mein Kommentar zu den Ergebnissen:

„Homeoffice braucht klare gesetzliche Leitplanken, damit es nicht zum zusätzlichen Stressfaktor für Beschäftigte wird. Die Gefahr, dass durch Homeoffice die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen, ist hoch. Die gesetzlichen Ruhezeiten und Höchstarbeitszeiten müssen auch im Homeoffice eingehalten werden, damit Beschäftigte nicht durch Stress und Überarbeitung krank werden. Arbeitszeiten über acht Stunden hinaus machen nachweislich krank – im Homeoffice genauso wie an einem festen Arbeitsplatz im Betrieb. Überstunden müssen vollständig erfasst und vergütet werden. Homeoffice-Beschäftigte brauchen wie alle anderen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen erholsamen Feierabend. Daher brauchen wir ein Recht auf Nicht-Erreichbarkeit und eine Anti-Stress-Verordnung.

Arbeitgeber dürfen Homeoffice-Vereinbarungen nicht ausnutzen, um Arbeitsschutzrechte zu umgehen oder Büroarbeitsplätze abzubauen. Wichtig ist, dass Beschäftigte im Homeoffice freiwillig und nur für einige Stunden pro Woche arbeiten und sie jederzeit die Möglichkeit haben, an einen festen Arbeitsplatz zurückzukehren.“

Jessica Tatti, MdB, Sprecherin für Arbeit 4.0 der Fraktion DIE LINKE im Bundestag