Steinmeier-Vorstoß zur Obdachlosigkeit: Verbände hoffen auf Wende in Sozialpolitik

21. Februar 2022  Arbeitslosigkeit, Bundestag, DIE LINKE

Artikel in der Heilbronner Stimme mit Bezug zur Bundestagsabgeordneten Jessica Tatti:

In der Rede nach seiner Wiederwahl lobte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Linken-Kandidat Gerhard Trabert. Nun will er mit dem Arzt über soziale Themen sprechen, insbesondere über obdachlose Menschen.

Drei Kernbotschaften hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede nach der Wiederwahl formuliert, neben seinen Sätzen zur Stärkung der Demokratie sowie zum Konflikt in Osteuropa thematisierte er eine große gesellschaftliche Herausforderung: Den Umgang mit Armut und speziell der Obdachlosigkeit in Deutschland. An den Kandidaten der Linkspartei gerichtet, den Mainzer Obdachlosenarzt Gerhard Trabert, sagte er, Trabert habe mit seiner Kandidatur auf die Lage der Ärmsten und Verwundbarsten aufmerksam gemacht. Steinmeier fügte hinzu: „Warum schauen wir nicht, ob wir diesem drängenden Thema gemeinsam mehr Aufmerksamkeit verschaffen können? Ich würde mich freuen, wenn wir darüber ins Gespräch gehen.“ Seinen Worten lässt er nun schnell Taten folgen. Steinmeier hat Trabert ins Schloss Bellevue erhalten.

BAG Wohnungslosenhilfe bietet Unterstützung an 

Der Bundespräsident hat mit seinem Fokus auf ein Sozialthema Hoffnungen geweckt, denn das Thema Obdachlosigkeit hat sich in den zwei Jahren der Pandemie noch einmal verschärft. Werena Rosenke, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft  Wohnungslosenhilfe, sagte unserer Redaktion: „Das Bekenntnis des Bundespräsidenten ist wichtig und markiert möglicherweise einen Wendepunkt in der Sozialpolitik. Denn nicht nur Frank-Walter Steinmeier hebt das Thema auf die Agenda. Auch die Bundesregierung hat den von uns seit Jahren geforderten Nationalen Aktionsplan zur Überwindung von Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit im Koalitionsvertrag aufgegriffen.“ 

Ein Zuhause für Obdachlose in der Böllinger Mühle

Vor einem knappen halben Jahr zog die Heilbronner Notunterkunft Neckarhalde in die frühere Böllinger Mühle. Mit viel Herzblut und Muskelkraft haben sich die Bedürftigen dort ein neues Zuhause geschaffen. Jeder Bewohner hat jetzt ein eigenes Zimmer und viel mehr Privatsphäre.

Das Bewusstsein für das gesellschaftlich tiefgreifende Problem der Wohnungslosigkeit sei also da, erklärte die Geschäftsführerin der BAG Wohnungslosenhilfe weiter. Sie sagte zu ihren Erwartungen: „Wir hoffen nun auf substantielle Verbesserungen in der Wohnungsversorgung, der medizinischen Versorgung der wohnungs- und obdachlosen Menschen und auch bei den persönlichen Hilfen, die Einrichtungen und Dienste der Wohnungslosenhilfe tagtäglich bieten.“ Zugleich bietet sie  Unterstützung an: „Bei der konkreten Ausgestaltung der nächsten politischen Schritte möchten wir den Entscheidern mit unserer Expertise unbedingt zur Seite stehen. Wir verfügen über jahrzehntelange Erfahrung und können klar benennen, was hilft und wirklich bei den Menschen ankommt.“

Fahrplan für gemeinsame Aktivitäten

Trabert hatte am Mittwoch erklärt, das Büro des Bundespräsidenten habe ein erstes Treffen für einen Austausch in den nächsten drei Wochen angeregt. Die Idee sei, einen Fahrplan gemeinsamer Aktivitäten zu entwickeln. Trabert hatte bei der Wahl am vergangenen Sonntag 96 Stimmen erhalten und damit auch Zustimmung aus anderen politischen Lagern erfahren – die Linke stellte nur 71 Mitglieder in der Bundesversammlung.

Jessica Tatti: Trabert ist ein großes Vorbild

Die Linken-Sozialpolitikerin Jessica Tatti (Wahlkreis Reutlingen) findet es enorm wichtig, das Thema auf die Agenda deutlich weiter nach oben zu setzen. Sie erklärte: „Es hat mich bewegt, dass Bundespräsident Steinmeier in seiner Rede seinen Gegenkandidaten der Linken, Gerhard Trabert, direkt ansprach. Gerhard Trabert ist mit seinem Engagement für arme, wohnungslose und geflüchtete Menschen ein großes Vorbild.“ 


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